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Ihr Michael Grabow

Termine

Terminbuch

Festakt anlässlich der Eröffnung des Stadtarchiv Augsburg

Wann: 25.06.2016

Wo: Stadtarchiv Augsburg, Kammgarnspinnerei 11
Ort: 86153 Augsburg (Google Maps)

Berichte

Grußwort bei der Ausstellungseröffnug "Luther reicht nicht"

Grußwort von Regionalbischof Michael Grabow zur Ausstellungseröffnung „Luther reicht nicht“ am 17.06.2016, Kloster Roggenburg

Sehr geehrte Damen,  sehr geehrte Herren,

Luther reicht nicht – das stimmt, würden die Rieser sagen, die einen eigenen Reformator haben, Georg Karg.

Ja, Reformation ist mehr als Luther, würden die Kemptener sagen und an Primus Truber erinnern, den Reformator Sloweniens, dem sie einst politisches Asyl gaben.

Ja, Luther reicht nicht, sagen die Memminger und erinnern an die Bauernartikel von 1525, ein frühes Manifest der Menschenrechte, blutig niedergemetzelt, leider auch durch Luthers verbale Unterstützung der Fürsten.

Luther reicht nicht – das sagt auch diese Ausstellung. Aber sie will damit natürlich viel mehr ausdrücken, als dass es um mehr geht als die Person Martin Luthers.

Sie will thematisieren, dass Erneuerung, Neugestaltung und Neuorientierung sich nicht auf eine Person und schon gar nicht auf eine bestimmte Zeit eingrenzen lassen.

Natürlich hat das 16. Jahrhundert umwälzende Neuerungen gebracht.

Die erste Medienrevolution durch den Buchdruck, ohne den die Reformation gar nicht denkbar gewesen wäre.

Die ersten „Copyright-Labels“ wie das A-D von Albrecht Dürer, die aus anonymem Handwerk individuelle Kunst machten, an der man auch gut verdienen konnte.

Die erste ökonomische Globalisierung mit ihren weltweiten Waren-und Geldströmen, die zu einer völligen Neuordnung der Gesellschaft führte mit allen Problemen von Ausbeutung und Zerstörung, die wir heute wieder beobachten.

Und nicht zuletzt die Massenproduktion von Bildern und Postern, die man zur Illustration und Werbung einsetzen konnte – wie die Großwerkstatt Lukas Cranachs mit ihrer Massenproduktion z.B. von Lutherbildern, aber auch Propagandabildern zur Bekämpfung der anderen Konfession.

Dem Bild kam damals und kommt heute entscheidende Bedeutung zu. Bilder fangen ja nicht einfach Sichtbares ein. Sie können Einblick gewähren in eine andere, tiefere Wirklichkeit, die sich dem Betrachter oft erst allmählich erschließt, und in der oft etwas von dem spürbar wird, was man spirituell oder heilig nennen möchte. Und zwar auch dann, wenn es provokant ist.

Kunst war immer auch religiös, von den Höhlenmalereien in Altamira oder Lascaux bis zu den abstrakten Kirchenfenstern eines Gerhard Richter.

Wenn also diese Ausstellung sich den Titel gibt „Luther reicht nicht“, so macht sie mit ihrer künstlerischen Auseinandersetzung deutlich, dass das Unterfangen einer Erneuerung von Kirche sich nicht auf verbale Projekte, strukturelle Planungen oder kluge Konzepte beschränken darf. Eine „Ecclesia semper reformanda“ muss immer spiritueller Art sein, sich an der Botschaft und dem Geheimnis Gottes orientieren.

Und hier kommt dem Bild, der Skulptur eine wesentliche Rolle zu. Wenn ein Künstler ein Bild malt, verbinden sich darin immer seine Erfahrungen und Vorstellungen mit dem Thema des Bildes. Wenn wir dann sein Bild anschauen, spielen dann auch immer unsere Erfahrungen und Vorstellungen in die Betrachtungsweise mit hinein.

So entsteht ein spannender Dialog zwischen dem Künstler, seinem Bild und uns, den verschiedenen Betrachterinnen und Betrachtern des Bildes.

In der menschlichen Symbolwelt von Bild, aber auch von Musik und Buch können wir unser Leben zur Sprache bringen und es auf Gott hin deuten lernen.

Mit der Ausstellung „Luther reicht nicht!“ wird wesentlich deutlich, dass es dabei nicht nur um das Wort, nicht nur um Luther gehen kann, sondern dass unterschiedliche sinnliche und ästhetische Erfahrungen einen Zugang zu Religion und Reformation eröffnen können.

Die Kunst trägt mit ihren Bildern viel dazu bei, die reformatorische Botschaft von der Gnade Gottes und der Rechtfertigung eines jeden Menschen immer wieder neu ins Bewusstsein zu rufen und sichtbare Ausdrucksformen hierfür zu schaffen.

Auch die Roggenburger Ausstellung macht deutlich, dass die Erneuerung und Neugestaltung der Kirche kein in sich zeitlich abgeschlossener historischer Akt ist, sondern eine ständige Herausforderung und bleibende Aufgabe darstellt.

Interessant wird der Ort Roggenburg natürlich besonders auch durch die Darstellungen der Gegenreformation in der Klosterkirche. Aber auch diese Darstellungen waren ja Auseinandersetzung mit Kirchenreform. Und dass wir uns heute am Vorabend des Jahres 2017 gemeinsam und ökumenisch auf den Weg machen, ist Zeichen einer gemeinsamen Besinnung auf das Zentrum unseres Glaubens – Christus. Gleichzeitig ist es ein Hoffnungszeichen für einen Weg, der uns immer weiter zusammenführt hin zum Ziel einer dauernden Reformation auf der Suche nach einer zeitgemäßen und zeitkritischen Gestalt

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen viele interessante Entdeckungen bei der Betrachtung der Bilder dieser Ausstellung.