Weihnachtspredigt von Regionalbischof Axel Piper

RB beim Predigen zu Weihnachten 2020
Bildrechte: KK Augsburg

In diesem Jahr hat Regionalbischof Axel Piper seine Weihnachtspredigt im Festgottesdienst am 25.12.2020 um 10:00 Uhr in St. Anna gehalten.

 

 

 

 

 

 

 

Die Predigt zum Anschauen - in St. Ulrich aufgenommen - finden Sie hier...

 

Die Predigt zum Nachlesen finden Sie hier im Anschluss:

Es gilt das gesprochene Wort

Liebe Gemeinde,

vielleicht kennen Sie Harry Potter, den Held aus den spannenden, phantastischen und auch düsteren sieben Romane aus der Welt von Zauberern? Es gilt im Kampf gegen die böse Macht von Lord Voldemort zu bestehen. Einer der mächtigsten Zaubersprüche, die Harry Potter, in diesen Kämpfen mehrfach das Leben rettet, lautet: „Expecto patronum“: Übersetzt: Ich erwarte meinen Schutzherrn. Wer diesen Zauber beherrscht, der wird in höchster Lebensgefahr bewahrt.

Wesentliche für diese Rettung aber sind nicht Zauberspruch und Zauberstab, sondern dass es einem gelingt, sich in dem Moment höchster Bedrohung auf ein Bild glücklicher Erinnerung zu konzentrieren. Nicht das Zauberwort, sondern glückliche innere Bilder wirken gegen die Bedrohung.

Der Predigttext für heute entwirft so ein glückliches, optimistisches Bild. Gegen die bedrohliche Situation. Bei Jesaja (52,7-10) lesen wir: Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!  Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden's mit ihren Augen sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Der Prophet vertraut auf die Kraft der Bilder: Der Freudenbote, der Frieden verkündet, jubelnde Wächter, fröhliche und getröstete Menschen auf den Trümmern Jerusalems, ja Gott, der wieder einzieht nach Zion.  Bilder des Glücks und der glücklichen Erinnerung an Jerusalem vor dessen Zerstörung schwört er herauf. Sie sollen die Menschen im Exil ermutigen, zurückzukommen. An einen Neubeginn zu glauben und Israel wiederaufzubauen.

Bilder die Zuversicht und Kraft geben. Sie sind auch an diesem Weihnachtsfest so nötig: Innere Bilder wie vielleicht: Die Erinnerung an das letzte Weihnachtsfest, bei der noch die ganze bunte Familie beieinander am Esstisch sitzen durfte. Daneben der hell erleuchtete Weihnachtsbaum. Oder: Der Weihnachtsgottesdienst mit dem fröhlichen Krippenspiel. Das gesungene Oh, du Fröhliche. Weihnachten ist ja mit besonders vielen starken Erinnerungsbildern verbunden. Und die brauchen wir, weil sie uns sagen: Es war unbeschwerter, sorgloser, optimistischer. Und so kann es auch wieder werden. Hoffentlich helfen ihnen die inneren Bilder von glücklichen Weihnachten gegen den bösen Geist von Corona. Wegzaubern mit einem Patronum-Zauber können wir ihn nicht.  Aber versuchen, diesem bösen Virus die Macht über unser Denken und Fühlen zu nehmen.

Wenn ich für mich einen Patronum herbeirufen würde, dann wäre das ein weiteres glückliches Bild, das ich mit vielen Menschen teile: Das Kind im Stall. Das Bild, wie es das Weihnachtsevangelium in Worte malt, wie wir es sehen in der Krippe von St. Anna und anderswo, egal ob vor oberbayerisch barocker Kulisse oder in karger Felslandschaft, geschnitzt, gemalt, gedruckt. Egal. Es ist im Kopf. Im Herzen. Ich kenne kein stärkeres Hoffnungsbild.

Schon allein dieses Baby in seiner kleinen Familie. Einfach, vielleicht schäbig im Stroh und Futterkrippe liegend, aber doch geborgen. Geborgen wie auf einem Schiff auf dem weiten Meer, in einer Schutzhütte auf einem hohen Berg, oder im Stroh in einer Krippe in einem Stall. Die Eltern passen auf.

Und die, die sind heilfroh: das ist nun das Kind, gesund, heil. Alles ist gut gegangen. Der Schmerz noch in nächster Erinnerung. Es ist geschafft, Gott sei Dank.

Ein Bild voller Friedens: Erst recht, wenn man bedenkt: Um ein Haar hätte Joseph Maria verlassen, als er nämlich erfahren hat, dass sie ein Kind erwartet, das nicht seines ist. Die Familie zerstört, bevor sie begonnen hat.

Auch Maria wird sich ein ums andere Mal gefragt haben: Schaffe ich das alles, ich jung, schwanger, und in den Augen vieler ein Skandal! Es wird ihr schlaflose Nächte bereitet haben….

Und kurz vor der Geburt, hochschwanger, noch die Reise von Nazareth nach Bethlehem. Was heißt Reise? Tortur! 180 km, eine Woche unterwegs auf steinigen, staubigen Pisten. Heiß, anstrengend ist es und gefährlich sind die Wege sowieso. Auf dem Rücken eines schaukelnden, wippenden Esels, spürt sie jede Erschütterung wie einen Stoß im Bauch.

Aber nun in diesem Stall, da ist es ist geschafft, es ist gut. Das Kind im Stroh, in der Krippe. Ein glückliches Bild gegen all die Erfahrungen auf dem Weg dorthin. Auch das macht dieses Kind in der Krippe zu einem Hoffnungsbild. Oft schon habe ich gehört, wie Menschen sich erinnern und sich wundern: „Wie habe ich das damals nur geschafft?  Die Sorge um unser Kind, dann bin ich noch krank geworden, dann kam noch diese Angst, die mich nicht mehr schlafen ließ und das in einer Zeit, die meine ganze Energie von mir gefordert hat.  Wie gut ist es manchmal, wenn man im vornhinein noch nicht weiß, was einen alles erwartet. Aber, ich habe es geschafft. Ja, was ich alles geschafft habe!“ Auch das ein Bild aus der Erinnerung, das für die Zukunft hilft: Was ein Mensch alles fertig bringen kann. Stärker als ein Patronuszauber.

Das Bild vom Kind in der Krippe strahlt, finde ich, besonders. Weil dieses Bild zauberhaft schön ist, wie nicht ganz von dieser Welt. Ist es ja auch: Nicht ganz von dieser Welt. Weil sich in diesem Bild Himmel und Erde vereinen. Weil hier wahr wird, was unsere Wirklichkeit sprengt: Gott wird in einem unscheinbaren Menschen inmitten einer Familie und Welt mit ihren kleinen und großen Sorgen Mensch. Um ihnen nahe zu sein. Gerade, weil sie es jetzt brauchen. Gerade weil wir es jetzt brauchen.

Dafür steht das Bild vom Jesuskind in der Krippe: Gott ist euch nahe. Bleibt bei euch in Freud und Leid. Er zaubert die Bedrohungen im Leben nicht weg aber ist doch immer bei uns, ganz, ganz nah. Dass wir uns nicht unterkriegen lassen von Corona. Ja, Respekt vor dieser Bedrohung. Aber keine Angst. In Respekt vor der Gefahr sollen wir in diesen Wochen leben, auch in Respekt vor den so verschiedenen Meinungen und Ansichten. Im Respekt voreinander sollen wir unsere Wege mutig gehen können und zuversichtlich nach vorne schauen. Dort wird es heller und lichter, ganz bestimmt. Das Bild der Weihnacht zeugt davon.

 

Frohe Weihnachten Ihnen allen!