Einläuten von Weihnachten 2020 im Uniklinikum Augsburg

Grußkarte beider Bischöfe Vorder- und Rückseite
Bildrechte: KK Augsburg

Zusammen mit Bischof Bertram Meier hat Regionalbischof Axel am 24.12. um 12.00 Uhr in der Kapelle des Uniklinikums Augsburg Weihnachten eingeläutet. Nach dem Lesen des Weihnachtsevangeliums brachten beide Bischöfe einen Gedanken zu diesem besonderen Weihnachtsfest vor die Augen und Ohren der Patientinnen und Patienten im Uniklinikum.

Gedanke von Regionalbischof Axel Piper.

Es gilt das gesprochene Wort

Liebe Gemeinde im Klinikum,

vielleicht kennen Sie Harry Potter, den Held aus den spannenden, phantastischen und auch düsteren sieben Romane aus der Welt von Zauberern? Sein mächtigster Zauber ist der Patronum-Zauber, der ihm mehrfach das Leben rettet: Wesentliche aber sind nicht Zauberspruch und Zauberstab, sondern dass es einem gelingt, sich in dem Moment höchster Bedrohung auf ein Bild glücklicher Erinnerung zu konzentrieren. Nicht das Zauberwort, sondern glückliche innere Bilder wirken gegen die Bedrohung.

Bilder die Zuversicht und Kraft geben. Sie sind auch an diesem Weihnachtsfest so nötig: Innere Bilder wie vielleicht: Die Erinnerung an das letzte Weihnachtsfest. Der Weihnachtsgottesdienst mit dem fröhlichen Krippenspiel. Das gesungene „Oh, du Fröhliche“. Weihnachten ist ja mit besonders vielen starken Erinnerungsbildern verbunden. Und die brauchen wir, weil sie uns sagen: Es gab Zeiten, die waren für mich unbeschwerter, sorgloser, optimistischer. Und so kann es auch wieder werden. Hoffentlich helfen ihnen die inneren Bilder von glücklichen Weihnachten gegen alles, was sie im Moment bedroht.

Wenn ich für mich einen Patronum-Zauber herbeirufen würde, dann wäre das ein weiteres glückliches Bild, das ich mit vielen Menschen teile: Das Kind im Stall. Das Bild, wie es das Weihnachtsevangelium in Worte malt, wie wir es sehen in den Krippen der Kirchen und anderswo, egal ob vor oberbayerisch barocker Kulisse oder in karger Felslandschaft, geschnitzt, gemalt, gedruckt. Egal. Es ist im Kopf. Im Herzen. Ich kenne kein stärkeres Hoffnungsbild.

Das Bild vom Kind in der Krippe strahlt, finde ich, besonders. Weil dieses Bild zauber-haft schön ist, wie nicht ganz von dieser Welt. Ist es ja auch: Nicht ganz von dieser Welt. Weil sich in diesem Bild Himmel und Erde vereinen. Weil hier wahr wird, was unsere Wirklichkeit sprengt: Gott wird in einem unscheinbaren Menschen inmitten einer Familie und Welt mit ihren kleinen und großen Sorgen Mensch. Um ihnen nahe zu sein. Gerade, weil sie es jetzt brauchen. Gerade weil wir es jetzt brauchen.

Dafür steht das Bild vom Jesuskind in der Krippe: Gott ist euch nahe. Bleibt bei euch in Freud und Leid. Dass wir uns nicht unterkriegen lassen. Dass wir unsere Wege mutig nach vorwärts gehen. Dort wird es heller und lichter, ganz bestimmt. Das Bild der Weihnacht zeugt davon.

Frohe Weihnachten Ihnen allen!

 

Im Anschluss wurde dann im gesamten klinikum an die Patientinnen und Patienten, Besucher und mItarbeitenden, so gewollt der gemeinsame Ökumenische Weihnachtsgruß beider Bischöfe ausgeteilt.

Die Karteninschrift finden Sie nun hier:

 

„Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht!
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln
gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ 
Lk 2,10-14

Fürchtet Euch nicht!

Heuer legen wir Ihnen diese Stelle aus dem Weihnachtsevangelium besonders an Herz. Denn seit dem Frühjahr begleiten Unsicherheit, Sorgen und Zukunftsangst uns alle, viel konkreter als sonst.

Hier in der Klinik — einem Ort, an dem wir beides, die Kostbarkeit und die Zerbrechlichkeit des Lebens, in großer Intensität erfahren — weckt der Zuspruch der Engel „Fürchtet Euch nicht!“ Vertrauen und Hoffnung.

Er ist die Zusage, das Versprechen Gottes an uns, dass er uns mit der Geburt Jesu ganz nahekommt und Mensch wird wie wir. Weil er uns kennt, dürfen wir uns bei ihm und in ihm geborgen wissen - wie Papst Johannes XXIII, der zu sich selber sagte: „Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders
 werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist,
 und an die Güte zu glauben.“

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, dass die Weihnachtsfreude in Ihrem Herzen aufkeimt und Sie gestärkt in die Zukunft gehen.