Chanukafeier in Augsburg 2020

Chanukakerzen und Kreisel
Bildrechte: frei

Ein Zeichen des interreligiösen Miteinanders: Am Montag, 14. Dezember, fand die Chanukka-Zeremonie mit Rabbiner Dr. Henry Brandt, Regionalbischof Axel Piper, Oberbürgermeisterin Eva Weber und Geistlichen weiterer Religionen in Augsburg statt.

Das Grußwort von Regionalbischof Piper finden Sie nun hier im Anschluss:

 

Liebe Freunde, Schwestern und Brüder!

Gestern war dritter Advent, heute entzünden wir die Kerzen am Chanukka-Leuchter. Wie schön, diese festliche, leuchtende Nähe unserer Religionen zu spüren. Wir brauchen dieses miteinander Feiern, weil wir bei diesen Gelegenheiten Kräfte sammeln. Kräfte, um unser jüdisch-christliches Erbe zu bewahren, zu schützen und lebendig fortzuentwickeln – gerade auch jetzt unter den pandemischen Bedingungen von Corona.

Wir stehen vor großen Herausforderungen sehr unterschiedlicher Art. Der Antisemitismus bricht sich wieder Bahn in unserem Land, finster und düster, wird er stellenweise unverhohlen und unverfroren zum Ausdruck gebracht. Wir haben unmissverständlich deutlich zu machen: Niemals wieder lassen wir es zu, dass diese Dunkelmänner und -frauen unsere lichtvolle Freundschaft zerstören, dass sie uns den glänzenden Geist, den brillanten Witz, die strahlende Kultur des Judentums nehmen. Weihnachten, Chanukka - sie sind das klare Gegenprogramm zur dunklen Seite der Macht.

Sie, liebe jüdischen Freunde und Freundinnen, wissen so gut Bescheid über die Existenz eines wandernden Gottesvolkes, wissen die erschütternden Erzählungen von Vertreibung, Flucht und Verfolgung zu erzählen. Sie bewahren die Erinnerung an das Leid des jüdischen Volkes, Sie wissen um die Gefährdungen der Gegenwart – gerade in diesem Jahr besonders. Ihr Willkommen, Ihre dankbare Geste zählt um ein Vielfaches, weil sie aus tiefster existentieller Erfahrung herrührt. Wir wollen – so denke ich - einladend vorleben, was unsere Werte sind: Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit - auch unter den Religionen. Wir wollen Ihnen zeigen, dass das Licht von Chanukka, der Stern der Weihnacht Erleuchtung bringen - hin zu einem Miteinander, in dem allein die Flamme der Freundschaft und der Liebe hochgehalten wird.

Für mich, für meine evangelische Kirche ist völlig klar: Wir leben unbedingt an Ihrer Seite. Das Existenzrecht Israels ist für uns völlig unbestritten. Schlimm genug, dass man das immer wieder neu sagen muss, statt Ihr Da- und Hiersein und den Staat Israel als blanke Selbstverständlichkeit anzusehen. Wir bewegen uns in einem Kontext, der es nötig macht, auf alle diese Einsichten erneut hinzuweisen und sie auch durchzusetzen - damit es in den Köpfen und Herzen wirklich ankert.

Wir brauchen und haben Gott sei Dank klare politische Aussagen und Entscheidungen, wir brauchen und haben einen verlässlichen Schutz Ihrer und damit unserer Rechte, liebe Freunde und Freundinnen, durch Polizei, Verfassungsorgane und Justiz. Und das Schönste: Wir haben ein Herz füreinander, Sympathie, liebevolle Zuneigung, einen einträchtigen Sinn. Ein Licht für Chanukka, ein Licht für die Menschlichkeit.

Die jüdische Autorin Rose Ausländer schreibt: "Das erinnerte Heim / im Vergangenen // Dein gebrochenes Jetzt / hinkt / in die Hoffnung // vielleicht wieder / ein menschlicher bewohnbarer / Raum."  Ja, manchmal hinken wir nur in die Hoffnung - aber wir arbeiten und leben gemeinsam mit dem Ziel, menschlich bewohnbaren Raum zu erhalten und zu schaffen. Der Stern über Bethlehem, Chanukka - Lichter der Menschlichkeit, die wir miteinander entzünden, Danke.