Prediger im ökumenischen Hochschulgottesdienst

Regionalbischof im Hochschulgottesdienst in St. Moritz
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Die Zeiten ändern sich, ändern sich immer schneller. So könnte man unser heutiges Lebensgefühl umschreiben. Smartphone, smart home - die neuen Medien sind unsere digitalen Begleiter. Sie verführen uns dazu, ständig online zu gehen, die Nachrichten zu checken. Wir können nicht mehr abschalten – im wahrsten Sinne des Wortes. Wo man sich früher Zeit lassen und eine Frage „bewohnen“ konnte, werden heute schnelle Antworten erwartet. ‚Multitasking‘ heißt das Zauberwort: Es verheißt dem Erfolg, der möglichst viel auf einmal schafft … 

Am 10. November hielt Regionalbischof Axel Piper die Predigt im Hochschulgottesdienst zum Thema "schnell hören - langsam Reden".

"Und, ich denke, ein entschleunigtes Hören ist ein Zeichen der Wertschätzung und Menschlichkeit. Damit meine ich, anderen Menschen zu zeigen, wie wichtig Sie in meinem Leben sind. Und das gilt auch für Gottes Wort, das ich hören darf und ich mit der nötigen Zeit meine Beziehung zu Gott pflege.

Wenn ich in Begegnungen und Gesprächen Ruhe finde zum Hören - mir also keine Zeit mehr stehlen lasse -, dann ist das ein Zeichen an mein Gegenüber, dass ich ihn achte und respektiere. Dass ich eben auch die Zwischentöne mitbekommen möchte. So ist das Hören eine wichtige Voraussetzung für echte Begegnungen und eine große Hilfe, Menschen zu zeigen, wie wertvoll sie sind. ...

Bevor Jesus Menschen heilt, frägt er, was diese denn von ihn möchten? Überflüssige Frage, sollte man meinen. Denn der Blinde will doch wieder sehen und der Lahme wieder gehen können. Und doch nicht unsinnig. Weil Jesus in den biblischen Heilungsgeschichten nicht nur ein Symptom heilt, sondern den ganzen blinden oder tauben Menschen in den Blick nimmt. Dazu muss man sich auf einen Menschen einlassen, ihm zuhören. Hören und dann reagieren, aber zuerst einmal hören.

Dieses Hören, und das, was aus dem Hören folgt, das wünsche ich mir auch. In der richtigen Reihenfolge. Zuerst und genau Hören. Dann aber, natürlich auch reagieren. Angemessen, verantwortlich, ehrlich und niemals mit dem Hintergedanken: Ich habs ja gleich gewusst.: „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ Das schenke uns unser hörender und sehender Gott, von dem es heißt: „HERR, du erforschest mich und kennest mich.  Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest.“