Rückblicke
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Reformation und Kunstinstallation "Zwischen uns" in Lindau

Alles ist möglich, dem der glaubt /
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Predigt von Regionalbischof Michael Grabow zur Reformation und zur Kunstinstallation „Zwischen uns“,

gehalten am 8. Oktober 2017 in Lindau St. Stephan

 

Liebe Gemeinde,

nach zehn Jahren Anlauf nähern wir uns mit großen Schritten dem Zielpunkt des großen Reformationsjubiläums, dem 31. Oktober 2017.

Zehn Jahre Reformationsdekade – jedes Jahr ein neuer Themenschwerpunkt, und dann ein ganzes Jahr feiern: eine Veranstaltung jagt die andere. Ich gebe zu, ich war am Anfang eher skeptisch, ob wir das durchhalten können, oder ob uns auf halber Strecke die Luft ausgeht. Ich habe mich gern eines Besseren belehren lassen.

Den gesamten Text der Predigt finden Sie in zwei Teilen im Download.

Einweihung des Backhauses der Bekenntniskirche Gersthofen

Predigt Regionalbischof Michael Grabow am 04. Oktober 2017

 

Liebe Festgemeinde

Man muss sein Brot mit gar nichts essen
mit nichts als Licht und Luft bestreut.
Gefühle, die man ganz vergessen,
Geschmack und Duft der Kinderzeit,
sie sind im trocknen Brot beschlossen,
wenn man es unterm Himmel isst.
Doch wird die Weisheit nur genossen,
wenn man den Hunger nicht vergisst.
                                               (Eva Strittmater)

Brot ist ein ganz besonderes Nahrungsmittel. Wenn ich frisches Brot esse, öffnet sich mir ein ganzer Kosmos aus Gerüchen und Erinnerungen, aufgeladen mit Symbolen und Bedeutungen. Meine Großmutter stammte aus einem Bäckerhaus und lehrte mich den Respekt vor dem kleinsten Krümel. Sie, die aus dem Vollen hätte schöpfen können, sagte mir immer wieder: „Klein Krümel ist auch Brot“ und brachte mir bei, die Brotkrümel mit dem abgeleckten feuchten Finger aufzusammeln und zu essen.

Den vollständigen Text der Predigt finden Sie im Download.

Predigt zur Reformation und zur Kunstinstallation "Zwischen uns" am 8. Oktober 2017 in Lindau

Alles ist möglich, dem der glaubt /
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Predigt von Regionalbischof Michael Grabow zur Reformation und zur Kunstinstallation „Zwischen uns“,
gehalten am 8. Oktober 2017 in Lindau St. Stephan

Liebe Gemeinde,

nach zehn Jahren Anlauf nähern wir uns mit großen Schritten dem Zielpunkt des großen Reformationsjubiläums, dem 31. Oktober 2017.

Zehn Jahre Reformationsdekade – jedes Jahr ein neuer Themenschwerpunkt, und dann ein ganzes Jahr feiern: eine Veranstaltung jagt die andere. Ich gebe zu, ich war am Anfang eher skeptisch, ob wir das durchhalten können, oder ob uns auf halber Strecke die Luft ausgeht. Ich habe mich gern eines Besseren belehren lassen.

Erstaunlicher Weise ist der Spannungsbogen nicht abgerissen. Vor einem Jahr hat der gemeinsame Gottesdienst mit Papst Franziskus in Lund bei vielen Menschen Hoffnungen geweckt. Und auch dieses Jahr 2017 mit seinen unzähligen Veranstaltungen von Lindau bis Greifswald hat bis jetzt nicht an Schwung verloren.

Es hat viel Kritik von allen Seiten gegeben. Manche haben sich über die Lutherdevotionalien von Playmobil über Lutherbier bis zur Quietscheente lustig gemacht und von einem billigen Ausverkauf des reformatorischen Themas gesprochen. Andererseits: Luther ist die mit Abstand meistverkaufte aller jemals produzierten Playmobilfiguren – und es ist doch schön, wenn unzählige Kinder nun spielerisch mit der Person Luthers zu tun bekommen.

Den gesamten Text der Ansprache finden Sie hier im Download

Einweihung des Backhauses in Gersthofen

Einweihung des Backhauses in Gersthofen
am 4.10.2017 durch Regionalbischof Grabow

Liebe Festgemeinde

Man muss sein Brot mit gar nichts essen
mit nichts als Licht und Luft bestreut.
Gefühle, die man ganz vergessen,
Geschmack und Duft der Kinderzeit,
sie sind im trocknen Brot beschlossen,
wenn man es unterm Himmel isst.
Doch wird die Weisheit nur genossen,
wenn man den Hunger nicht vergisst.
                                               (Eva Strittmater)

Brot ist ein ganz besonderes Nahrungsmittel. Wenn ich frisches Brot esse, öffnet sich mir ein ganzer Kosmos aus Gerüchen und Erinnerungen, aufgeladen mit Symbolen und Bedeutungen. Meine Großmutter stammte aus einem Bäckerhaus und lehrte mich den Respekt vor dem kleinsten Krümel. Sie, die aus dem Vollen hätte schöpfen können, sagte mir immer wieder: „Klein Krümel ist auch Brot“ und brachte mir bei, die Brotkrümel mit dem abgeleckten feuchten Finger aufzusammeln und zu essen.

Der Dichter der Rhön, Leo Weismantel, berichtet, dass viele junge Leute dort so arm waren, dass sie auswandern mussten. Vor der Abreise wickelten sie eine trockene Brotkruste in ein Taschentuch und machten einen festen Knoten darum.

„Steck Dir schwarzes Brot ein, schwarzes Brot steck Dir ein“, sangen die Mütter ihren Kindern vor  und ließen sie ziehen, manche bis nach Amerika, immer mit der Mahnung, den schwarzen, trockenen Kanten nie zu essen, weil in dieses grobe Brot alles das eingebacken war, was sie vermissen würden: der Geruch der Erde und der Duft des Buchenholzfeuers, der Wind in den Ähren und die Winterkälte.

Den kompletten Text der Ansprache finden Sie hier im Download

Ordination von Pfarrerin Johanna Rodrian und Pfarrer Claudius Wolf

Ordination Johanna Rodrian und Claudius Wolf
am 24. September 2017 in Mindelheim, Evang.-Luth. Johanneskirche

Predigt Regionalbischof Michael Grabow

Liebe Gemeinde, ganz besonders aber heute natürlich:
Liebe Frau Rodrian und lieber Herr Wolf,

nach Ihrer theologischen Ausbildung und dem Vikariat beginnt in diesen Tagen und besonders heute etwas ganz Neues. Sie sind umgezogen und beginnen, sich in der neuen Gemeinde einzufinden und die ersten Kontakte zu knüpfen.

Trotzdem geht wahrscheinlich der Blick auch noch einmal zurück auf die spannende Zeit ihres Vikariates. Und ich könnte es gut verstehen, wenn Sie in den letzten Tagen immer auch noch ein wenig zurückgeblickt haben auf Neu-Ulm oder auf Uffenheim. Wenn Ihnen die Menschen in der Gemeinde noch einmal vor Augen standen, all die schönen Erfahrungen und Ihre Arbeit dort. Denn es waren schöne und interessante Jahre, die Sie dort erlebt haben, und es fällt nicht so leicht, Abschied zu nehmen.

Die komplette Predigt finden Sie hier zum Downloaden...

 

 

 

 

Preis Augsburger Friedensfest 2017

Nicht getrennt tun, was gemeinsam getan werden kann“

Verleihung des Preises Augsburger Hohes Friedensfest 2017

an den Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes  Dr. Dr. h.c. Martin Junge

Begründungsrede vom Vorsitzenden der Jury,
Regionalbischof Michael Grabow

 Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Gribl, sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats, politische Mandatsträger und Repräsentanten der gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen, liebe Mitglieder der Jury, liebe Schwestern und Brüder aus den verschiedenen Kirchen, meine sehr verehrten Festgäste, liebe Augsburgerinnen und Augsburger,

Den Text der Begründungsrede finden Sie hier im Dowload

 

Oekumenischer Gottesdienst am Pfingstmontag

Wahrhaftig sein in der Liebe

Ökumenischer Pfingstgottesdienst am 5.6.2017 in Neu-Ulm

Predigt von Regionalbischof Michael Grabow

Text: Epheser 4, (4-5), 11 – 16

So seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Einem jeden aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi. 

Und er selbst gab den Heiligen die einen als Apostel, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi, damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch das trügerische Würfeln der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen.

Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. Von ihm aus gestaltet der ganze Leib sein Wachstum, sodass er sich selbst aufbaut in der Liebe – der Leib, der zusammengefügt und gefestigt ist durch jede Verbindung, die mit der Kraft nährt, die jedem Glied zugemessen ist.

Liebe Schwestern und Brüder,

was für ein atemberaubender Anblick hier auf dem Glacis trotz des unsicheren Wetters. Ein bisschen ist es wie beim Abschlussgottesdienst des Kirchentages, als unzählige Menschen sich in Wittenberg getroffen und miteinander Gottesdienst gefeiert haben. Zugegeben, es sind keine 120.000 Menschen heute hier. Und die Sonne lässt sich leider auch nicht blicken.

Aber unser heutiger Gottesdienst hat ein unbestreitbares Plus: wir feiern heute ein ökumenisches Pfingstfest so vieler und durchaus unterschiedlicher Kirchen der ACK Neu-Ulm / Ulm.

Ich meine, Pfingsten kann man eigentlich gar nicht anders feiern als ökumenisch. Denn wie war das damals in Jerusalem, als Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, Sprache und sogar Religion zusammenkamen und sich plötzlich verstanden über alle Unterschiede hinweg? Die Pfingstgeschichte nennt 12 verschiedene Länder und vier Religionen. Es war, mit Verlaub, multireligiös, multiethnisch und multikulturell.

„Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.“

Manche zweifelten an dieser unglaublichen Erfahrung und sagten: „Sie sind voll des süßen Weines“. Viele Menschen aber führten dieses plötzliche Verstehen auf einen gemeinsamen Geist zurück, der sie beseelte und über alle sprachlichen und religiösen Unterschiede hinweg Gemeinschaft unter ihnen stiftete. Das brachte sie zum Staunen. Sie fühlten sich im Tiefsten ihrer Existenz angesprochen.

Und sie spürten: Dass wir uns plötzlich verstehen, das muss Gott selbst gewirkt haben mit einem Geist, der uns alle angerührt und aufgeschlossen hat zu einer unfassbaren und doch realen Einheit.

Den gesamten Text der Predigt finden Sie hier im Download

Predigt von Regionalbischof Michael Grabow am Karfreitag, 14. April 2017

Predigt über Lukas 23, 33 – 49 (Karfreitag)

gehalten am: 14.04.2017 in der Augsburg St. Ulrich

von Regionalbischof Michael Grabow

 Textlesung: Lukas 23, 33 – 49

„Als sie an die Stätte kamen, die da Schädelstätte heißt, kreuzigten sie Jesus dort und die Übeltäter mit ihm – einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu.

Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat anderen geholfen, so helfe er sich selber, wenn er denn Christus ist, der Auserwählte Gottes.
Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist Du der Juden König, so hilf Dir selber. Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.

Einer der Übeltäter, die mit ihm am Kreuze hingen, lästerte ihn und sprach: Bist Du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und Du fürchtest Dich auch nicht vor Gott, obwohl Du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfingen, was unsere Taten verdienen; dieser aber hat nichts unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, denk an mich, wenn Du in dein Reich kommst.“ Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage Dir: Heute wirst Du mit mir im Paradiese sein.

Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt hatte, verschied er. Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: „Fürwahr, dieser ist ein gerechter Mensch gewesen.

Und als alles Volk, das dabeiwar und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seiner Bekannten von Ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa gefolgt waren, und sahen das alles.

Predigt Teil 1

Liebe Gemeinde,

„Als sie an die Stätte kamen, die da Schädelstätte heißt, kreuzigten sie Jesus dort und die Übeltäter mit ihm – einen zur Rechten und einen zur Linken ... und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu.“

Mit so schlichten Worten beschreibt Lukas, was da auf Golgatha geschieht. Menschen werden ans Kreuz geschlagen. Sie hängen am Schandkreuz – nackt und entblößt. Sie sind den Blicken der Gaffer schamlos ausgesetzt. . Und während sie hilflos spüren, wie das Leben aus ihnen weicht, verteilt man ihr Hab und Gut – sie müssen mit ansehen, wie man um ihre Kleider würfelt.

Menschen spielen ein Spiel. Ein grausames Spiel. Aber bei den Zuschauern nur Neugier, Gaffen.

Sie haben ihn ans Kreuz genagelt. Und würfeln um sein Hemd. Er braucht es ja auch nicht mehr.

Kommt denn da keiner und schreit: „Was seid Ihr nur für Menschen!“ Wir wissen aus Generationen alter Erfahrung: Es wäre eine seltene Ausnahme, wenn das tatsächlich geschähe. Kaum jemals ergreift einer Partei für wehrlose Opfer. Schon gar nicht, wenn die Täter daneben stehen.  

Was mögen das für Menschen sein, von denen es heißt: „Und das Volk stand da und sah zu.“?

Den gesamten Predigttext erhalten Sie hier im dowload

Heilung der Erinnerung am 02.04.1017 im Hohen Dom zu Augsburg

Predigt „Heilung der Erinnerung von Regionalbischof Michael Grabow

am 2.4.2017 im Hohen Dom zu Augsburg

Lesung Evangelium Joh. 15, 1 – 17

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

9 Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe. 11 Das habe ich euch gesagt, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. 12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch liebe. 13 Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. 15 Ich nenne euch hinfort nicht Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan. 16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, auf dass, worum ihr den Vater bittet in meinem Namen, er's euch gebe. 17 Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.

Predigt (Grabow)

Liebe Schwestern und Brüder,

wir leben in einer Region, die so stark wie wenige andere von Reformation und Gegenreformation geprägt ist. An vielen Orten sehen wir heute noch die Widerspiegelungen dieser konfliktreichen Auseinandersetzung.

Der Bauernkrieg von 1525, der Schmalkaldische Krieg von 1546/47 und der 30-jährige Krieg entvölkerten und verheerten Augsburg und Ostschwaben wie wenig andere Regionen in Deutschland.

Stellvertretend für viele andere Geschehnisse erinnere ich nur an die kleine Stadt Lauingen an der Donau, deren Bürger allein innerhalb eines Jahrhunderts sieben Mal die Konfession wechseln – oder eben auswandern mussten. Die Leidtragenden waren wie immer die einfachen Menschen.

Ich denke an die auch in Augsburg gedruckten Flugblätter der Reformation mit ihren oft bösen Karikaturen des Papstes oder der katholischen Kirche. Und ich denke an die wenig schmeichelhaften Darstellungen von Martin Luther und anderer Reformatoren als Ketzer in den Barock-Kirchen von Dillingen, Mering oder Roggenburg: wirkmächtige Bilder, die die Erinnerung der Menschen über Jahrhunderte geprägt haben.

Wirkmächtige Bilder, und sie prägten die Vorstellungen, die die Menschen von der jeweils anderen Konfession hatten.
All das ist noch gar nicht so lange her.

Pfarrer Bruno Fink, früher Privatsekretär von Kardinal Ratzinger, ist ein Bekannter von mir. Er stammt aus Memmingen. Er erzählte mir, dass er sich als Schüler nicht über den großen Pfarrhof der evangelischen St. Martinskirche zu gehen getraut habe, obwohl das seinen Schulweg deutlich abgekürzt hätte. Er wusste nicht so genau, wovor er sich fürchtete, aber er traute sich eben nicht, diesen Hof zu überqueren.

Und ich gestehe meinerseits, dass in meiner Kindheit meine Furcht vor dem katholischen Kurat von St. Karl-Borromäus viel größer war als die vor unserem evangelischen Pfarrer. Dabei war der Kurat Zimmermann ein herzensguter Mann. Aber sein schwarzes Kollarhemd wirkte auf mich als Kind irgendwie gefährlich. Und was katholisch bedeutete, war mir nicht so recht klar.

Auch solche scheinbaren Nebensächlichkeiten zeigen, wie mühsam es ist, die Bilder in den Köpfen und in den Herzen der Menschen zu verändern. Gerade weil man sich der Hintergründe oft gar nicht mehr bewusst ist.

Heilen der Erinnerung – das Heilen der Erinnerung ist daher so wichtig. Damit wir ohne diese oft unbewussten Bilder und kollektiven Erinnerungen und mit größerer Unbefangenheit aufeinander zugehen können hin zu einer vielfältigen Einheit, die größer ist als unsere Kleingläubigkeit und unsere Vorbehalte.

Dass dieses Heilen der Erinnerung gelingen kann, dazu müssen wir uns den kollektiven Bildern und Erinnerungen stellen. Wir müssen sie uns gemeinsam aus den verschiedenen Blickwinkeln ansehen und uns in innerer Bereitschaft dem Versöhnungshandeln Gottes anvertrauen.

Dass dieses Heilen der Erinnerung gelingen kann, dazu ist es aber auch nötig, die anderen, die positiven Erinnerungen und Bilder zu sehen und aus ihnen zu lernen. Denn auch in den letzten 500 Jahren gab es und gibt es viele Beispiele für ein gelingendes Zusammenleben, nicht immer ohne Reibungen, aber doch in meist gutem Miteinander.

In Augsburg garantierte die Parität ein friedliches Miteinander der Menschen unterschiedlichen Glaubens. Und das über viele hundert Jahre lang.

In etlichen Dörfern im Ries lebten über viele Jahrhunderte Katholiken und Protestanten friedlich zusammen und teilten sich den Gottesdienstraum in den sogenannten Simultankirchen.

Eine dieser Simultankirchen ist auch heute noch in gemeinsamer Nutzung in Ehingen am nordwestlichen Rieskraterrand. Sie ist ein wunderbares Zeichen des ökumenischen Miteinanders, das schon vor Jahrhunderten den Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft gewiesen hat. Und es gibt noch etliche weiterer Simultankirchen in Franken und der Oberpfalz.

Nur so kann es gelingen, Erinnerungen zu heilen und die Bilder in den Köpfen und in den Herzen zum Positiven hin zu verändern. Indem wir in einem gemeinsamen Lernen auf beides schauen: auf das Misslungene und das Gelungene: auf die Konflikte und auf die Beispiele gelungener Gemeinschaft.

Und dafür gibt es, Gott sei es gedankt, heute unzählige Beispiele.

Den Text der gesamten Predigt erhalten Sie hier im Download